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16.10.2010

Hochferner Nordwand

Ich bin noch keine zehn Minuten unterwegs, schon habe ich den Weg verloren. Ihn versuchen wiederzufinden wäre sinnlos. Die Wiese, auf der ich mich befinde, schaut im Licht meiner Stirnlampe überall gleich aus. Ich gehe weiter taleinwärts, finde den Weg und verliere ihn wieder und finde ihn erneut, um ihn wieder zu verlieren. Nach einer Stunde überquere ich den Bach und gehe über das Geröllfeld in Richtung Einstieg. Über einen steilen Hang gehe ich auf den Rücken einer Moräne. Es beginnt zu dämmern und erst jetzt bemerke ich, dass ich auf die falsche Moräne gestiegen bin. Ich muss wieder runter und auf der anderen Seite rauf. Eine halbe Stunde später bin ich beim richtigen Einstieg und ziehe mir die Steigeisen an.

Ein Blick nach oben: Vor mir steht die rund 900m hohe Eiswand des Hochferners. Ein immer steiler werdendes Schneefeld führt zur ersten steilen Passage. Dieser erste Aufschwung schaut extrem blank aus. Den zweiten Teil der Wand kann ich von hier herunten noch nicht beurteilen.

Am linken Rand des Schneefelds stapfe ich nach oben. Hier bin ich vor dem Eisschlag sicher. Im Moment aber ist es noch so kalt, dass sich nichts von oben lösen sollte. Nach rund 200 Metern quere ich in die Mitte und starte, mit meinen Eisgeräten bewaffnet, in den ersten Aufschwung. Das Eis ist extrem hart. Meistens muss ich drei oder viermal den Pickel reinhauen, bis die obersten Schuppen weggesplittert sind und ich ein Loch habe, in dem mein Eisgerät hält. Gesichert würde ich mich wohler fühlen, aber ich bin alleine unterwegs und weis, dass ich die Schwierigkeiten drauf habe.

Ich bin schon 500 Meter geklettert und stehe vor dem zweiten Aufschwung. Das Eis sieht um vieles besser aus als unten. Ich schlage mein linkes Eisgerät rein. Dann mein rechtes. Dann wieder mein linkes. Jeder Schlag sitzt und ich komme gut voran. Nach insgesamt fünf Stunden vom Parkplatz stehe ich am Gipfel des Hochferner.

Nach einer kurzen Pause mache ich mich auf den Weg nach unten. Drei Stunden später und 2000 Höhenmeter tiefer bin ich wieder am Parkplatz, steige ins Auto und fahre nach Hause.

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