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30.10.2013

Masherbrum – just look – don't touch

Erwähnt man die Masherbrum Nordostwand in Bergsteigerkreisen, so klingelt es in den meisten Ohren. Und es sind Alarmglocken. Die Russen kriegen vielleicht sogar einen Tinitus, wenn sie nur schon den Namen Masherbrum hören. Sie haben die Nordostwand vor ein paar Jahren versucht, haben aber bevor es mit der eigentlichen Kletterei richtig los geht, wieder umgedreht. Zurückgekehrt sind sie nicht. Das passiert ihnen eigentlich nie. Die K2 Westwand, die Jannu Nordwand, die Latok III Nordwand, sie alle mussten sich den Russen ergeben - bei zum Teil mächtigem Aufwand und viel Verschleiß in allen Hinsichten. Ähnlich wie den Russen erging es Steve House. Auch er spielte mit dem Gedanken die Wand zu klettern, doch auch er entschied sich dazu ihr den Rücken zu kehren.

Die Nordostwand des Masherbrum steht also noch da. Ungeklettert. Unberührt.

Peter Ortner und ich würden das dieses Jahr nicht ändern. Dass das so sein würde, hatten wir uns fast schon vor unserer Expedition gedacht. Die Geschichte der Wand macht einem zugegebenermaßen wenig Hoffnung einfach hinzugehen und hinaufzuklettern. Schon mein letztes großes Projekt in Patagonien hat mich gelehrt, dass es nicht schadet im ersten Jahr mit bescheidenen Zielen anzurücken und sich die Sache erst mal anzuschauen.

Als wir unser Basislager auf dem Yermanendu Gletscher unter dem Masherbrum erreichten, machten wir uns gleich an's Beobachteten der Wand. Auf einer Isomatte sitzend scannten Peter und ich jeden der mehr als 3000 Höhenmeter mit unserem Fernglas und diskutierten über mögliche Linien. Wir waren uns schnell einig: Eine Wand wie diese hatten wir noch nicht gesehen. Vor uns stand eine Eiger Nordwand und auf der drauf ein Granitmonolith, der mich mehr an einen Cerro Torre erinnerte, als dass er zu den Gipfelaufbauten der anderen Himalayariesen passt.

Ich hatte das Gefühl gefunden zu haben, wonach ich gesucht hatte. Eine Wand die so unvorstellbar schwierig und groß ist, dass man leicht versucht ist, sie für unmöglich zu halten.

Unsere erste Akklimatisationstour gestaltete sich als leicht, langweilig und mühsam.

Bei unserer Zweiten hatten wir die Ski dabei und fuhren von einem kleinen Gipfel mit rund 6100m über eine eisige Flanke ab. Aus irgendeinem Grund - wahrscheinlich ein Materialfehler - riss Peter kurz unterhalb des Gipfels die Bindung von seinem linken Ski und stürzte. Dabei verletzte er sich am Knie. Anfangs war uns noch nicht klar, was das für den Rest unserer Expedition bedeuten würde, aber als wir unsere dritte Akklimatisationstour auf etwa 6300m abbrechen mussten, weil Peter kaum noch gehen konnte, wussten wir, dass so wie die Expeditionen vor uns, auch wir der Wand - zumindest vorerst - den Rücken zukehren müssen. Man müsste den Wahnsinn schon mit der Schaufel gefressen haben um mit einem verletzten Knie in eine solche "unmögliche" Wand einzusteigen, die davor schon 6 Russen ausgespuckt hat.

Es ist wahrscheinlich wie auch sonst im Leben, im richtigen Moment kann man nichts falsch machen und im falschen Moment kann man nichts richtig machen. Wir entschieden uns zur Heimreise.

Nächstes Jahr kommen wir wieder, mal schauen ob wir dann den richtigen Moment erwischen. Ich bin auf jeden Fall gespannt...

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