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21.03.2013

Mit dem Kopf am Berg – Mit den Füßen im Tal

Wie schon die letzten 3 Jahre flog ich Mitte Jänner wieder nach Patagonien. Kurz vor meiner Abreise, kam das Wetterfenster bei dem man eigentlich schon in El Chalten startklar sein sollte. Ich kam dort an, und das Wetter war immer noch perfekt. Der Cerro Torre, der Fitz Roy und ihre Trabanten glänzten in der Sonne und wurden für patagonische Verhältnisse unzählige Male bestiegen während ich in Chalten saß und auf meinen Partner Dani Arnold wartete. Dani ist Schweizer und war natürlich nicht unpünktlich, nur war seine Ankunft eben erst eine Woche später geplant. So verstrich das erste Wetterfenster während ich untätig zuschaute, wie alle möglichen Routen geklettert wurden.

Patagonien 2013

Sobald Dani angekommen war nutzten wir ein kurzes Wetterfenster um im Nipo Nino, dem Camp im Tal zwischen Cerro Torre und Fitz Roy, sowie am Col zwischen der Aguja Saint-Exupéry und der Aguja de la S jeweils ein kleines Materialdepot einzurichten. Sobald der Wettergott wieder gnädig sein würde, wollten wir einsteigen. Unser Ziel war die Überschreitung des Fitz Roy Massivs.

Es sollten drei Wochen vergehen in denen die patagonischen Stürme das Klettern in den Bergen unmöglich machten. Wir vertrieben uns die Zeit in den immer zahlreicher werdenden Bars und an den Boulderblöcken rund um El Chalten. Aber so entspannt das klingen mag, meine Gedanken waren immer in den Bergen. Zur Untätigkeit gezwungen hat man jede Menge Zeit sich über diverse Details Gedanken zu machen, an der Taktik zu feilen und am Material zu basteln.

Patagonien 2013

Ich beobachtete die Wetterlage und meine Vermutung, dass möglicherweise kein ausreichendes Hochdruckgebiet mehr kommen würde schien sich zu bestätigen.

Doch dann kam ein mittelmäßiges Wetterfenster, und es schien als könnten wir zumindest einen Versuch starten. Wir gingen ins Nipo Nino. Am nächsten Tag wollten wir einsteigen, doch als wir zu unserem Materialdepot kamen mussten wir feststellen, dass unsere gesamte Ausrüstung nass war. In den Schuhen stand das Wasser so hoch, dass ein Goldfisch darin hätte schwimmen können. Auch die Schlafsäcke waren komplett durchnässt. Alles andere auch.

Wir hatten eigentlich alles sorgfältig verpackt – es war nicht zu fassen. Dani und ich schauten uns an und uns war klar, dass unsere Chancen auf Erfolg jetzt nicht nur drastisch gesunken waren, wir würden nicht einmal einen Versuch starten können. Verzweifelt versuchten wir unser Material im patagonischen Wind zu trocknen, aber in Patagonien ist der Wind nie auf der Seite der Kletterer – einmal ist er zu stark und jetzt zu schwach. Unsere Schuhe und Schlafsäcke wollten nicht trocken werden und so blieb uns nichts anderes übrig, als am nächsten Morgen unser Depot am Col zu räumen und unverrichteter Dinge wieder abzuziehen.

Wäre Bergsteigen ein Sport, bei dem man weiß, dass Erfolg fast ausschließlich von der eigenen Fitness, Vorbereitung und Ausführung abhängt, dann würde ich vermutlich nicht bergsteigen. Das Element des Unvorhersehbaren, Wetter und Bedingungen und das unbekannte Gelände geben dem Alpinismus seinen Reiz. Versuche gehören mindestens so zum Bergsteigen dazu wie Erfolge. Die besten Erlebnisse sind manchmal die Abenteuer, die mit einem Rückzug enden. Oft genug habe ich in Patagonien mein Ziel nicht erreicht und trotzdem war jeder einzelne Versuch eine Bereicherung.

Letztendlich war die eigentliche Enttäuschung dieser Reise also nicht dass wir die Überschreitung nicht geschafft haben, sondern dass wir nicht probieren konnten. Dieses Jahr fehlte uns das Glück. Nächstes Jahr ist es vielleicht wieder anders...

Patagonien 2013

Der Fitz Roy bei gutem Wetter

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