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25.03.2013

Sagwand – Erste Winterbegehung

Im Sommer 2008 gelang mir zusammen mit Jorg Verhoeven an der Sagwand im Valsertal die Erstbegehung „Desperation of the Northface“. Für mich war es die erste größere alpine Unternehmung, bei welcher ich meine Vorstellungen vom Klettern in diesem Terrain austesten konnte. Schon damals stach mir eine besondere Linie ins Auge. Der legendäre Hias Rebitsch hatte sie 1947 als Erster entdeckt und geklettert. Der Schiefe Riss war mit Schwierigkeiten bis zum sechsten Grad und einer für Rebitsch typisch, spärlichen Absicherung lange eine der anspruchsvollsten Routen in der Umgebung. Die erste Wiederholung lies fast 30 Jahre auf sich warten. Mittlerweile ist der Schiefe Riss im Sommer wegen dem extremen Steinschlag zu gefährlich. Eine Winterbegehung stand noch aus.

Mehr als vier Jahre lang geisterte die Idee in meinem Kopf herum. Immer wieder kehrte ich ins Valsertal zurück.

Ich kletterte Klassiker, wie die Fußstein Nordkante oder die Diagonale am Schrammacher und zeichnete mit neuen Routen und Skiabfahrten selbst neue Linien an den Wänden, doch es dauerte eine ganze Weile bis ich dazu kam mich am Schiefen Riss zu probieren.

Am 11. März ging es mit Hansjörg Auer auf Skiern zum Einstieg. Wir waren nicht wirklich früh dran und hatten kein Biwakmaterial dabei. Die Kletterei war weit schwieriger als erwartet und nachdem wir 10 Stunden ohne Pause durch anhaltend anspruchsvolles Gelände geklettert waren, mussten wir einsehen, dass der Gipfel außer Reichweite lag. Es wurde dunkel und in diesem Gelände hatten wir mit Stirnlampen keine Chance. Außerdem waren wir mental erschöpft und weder Hansjörg noch ich wollten weiter vorsteigen. Es war ein super Versuch gewesen, der uns zu mehr motivierte. Wir würden zurückkommen noch bevor der Winter zu Ende war und unser Projekt mit einer anderen Strategie probieren.

Fünf Tage später war es so weit. Nachdem Peter Ortner bei unserem ersten Versuch keine Zeit hatte, war er dieses Mal neben Hansjörg und mir mit dabei. Zu dritt würden wir uns die Schwierigkeiten besser aufteilen können. Gegen elf Uhr starteten wir. Ich stieg die erste Seillänge vor. Ich kannte sie bereits und hatte sie als äußerst anspruchsvoll in Erinnerung. Eigentlich dachte ich, ich würde sie nicht noch einmal vorsteigen müssen, doch sie zu kennen war ein Vorteil – und auch ein Nachteil, denn ich wusste was mir bevor stand...

Ich fürchtete mich ein wenig, kletterte aber ohne größeren Zwischenfall zum Stand und stieg noch zwei weitere Seillängen vor, bevor Hansjörg das scharfe Ende des Seils übernahm. Um schnell vorwärts zu kommen würden wir die uns schon bekannten Längen am ersten Tag vorsteigen. Peter würde am zweiten Tag die Führung übernehmen und zum Gipfel klettern. Nach mehreren Längen in kletter- und sicherungstechnisch sehr anspruchsvollem Gelände würde es gut tun nicht mehr vorsteigen zu müssen.

Sagwand Winterbegehung

Hansjörg beim Sichern im Schneesturm während dem ersten Versuch.

Vor ein paar Jahren gab es einen großen Ausbruch auf halber Wandhöhe, der den Schiefen Riss in Mitleidenschaft zog. In diesem Ausbruch biegt der Schiefe Riss nach rechts ab. Während Hansjörg noch eine Länge im Ausbruch fixierte, stampfte ich ein kleines Podest in ein Schneefeld rechts vom Stand. Es war groß genug, dass wir zu dritt sitzend Platz hatten. Ich legte ein paar Steine an den Rand, so dass dieser nicht wegbrach und fertig war unser „Schlafplatz“.

Bevor wir in der Früh beim Auto weggegangen waren, hatte das Thermometer -22?C angezeigt. Es war nicht wärmer geworden und rechts von uns ging unaufhörlich Spindrift die Wand hinunter. Wir waren froh denn wir dachten wir würden von der eisigen Dusche in der Nacht verschont bleiben. Wir kochten Wasser für unser Travellunch und froren anschließend vor uns hin.

Einige Male unterbrach einer von uns die Stille mit einem ehrlichen „Was soll der Scheiß!?“, doch in solchen Momenten ist es besser man stellt sich keine Fragen mit zu viel Tiefgang. Wir zogen uns unsere Schlafsäcke über den Kopf und versuchten zu rasten. Arme und Beine waren schon längst taub und dann kam doch noch der Spindrift. Es war das kälteste Biwak das wir je erlebt hatten. Kurz bevor es dämmerte kochten wir einen halben Liter Wasser und stärkten uns mit einer Hauswurst von Hansjörgs Eltern. Dann verließen wir unser Biwak, denn an Schlaf war sowieso nicht zu denken.

Peter stieg wie geplant alles bis zum Gipfel vor. In den ersten Seillängen vom Biwak säumten riesige Schneepilze den breiten Riss. Die Kletterei war schwierig und nicht ungefährlich, aber es ging voran und die Bewegung sorgte wenigstens für etwas Wärme, die unsere Zehen und Finger dazu ermutigte sich schmerzhaft zurückzumelden. Um elf Uhr vormittags waren wir am Gipfel. Wir waren froh die guten Bedingungen in der Wand vor dem bald kommenden Föhnsturm genützt zu haben und eine Route geklettert zu sein, welche jenen in Chamonix oder gar in Patagonien an Schwierigkeit nichts nachsteht. Der Wind ließ uns die Sonne am Gipfel nicht genießen und so seilten wir so schnell es ging ab.

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