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11.12.2011

Sagzahn Nordpfeiler

Um halb sechs in der Früh sperre ich das Auto hinter mir zu. Ich quere über ein ausgetrocknetes Bachbett auf die rechte Talseite und folge dort einem Geröllfeld immer weiter bergauf. Nach eineinhalb Stunden stehe ich bereits unter der Wand, die mich und meine zwei Kollegen, Florian Klingler und Thomy Dirnhofer, vor ein paar Tagen einfach nicht rauf lassen wollte. Ich setze mir meinen Helm auf, ziehe meine Steigeisen an und tausche meine Stöcke gegen meine Eisgeräte. Dann geht’s los...


Die erste Seillänge ist bereits eine der anspruchsvollsten. Über eine dünne Eisglasur klettere ich unter einen steilen Aufschwung. Der Wind hat die ersten zehn Meter dieser Steilstufe in eine senkrechte Mauer aus Schnee verwandelt. Der zweite Teil des Aufschwungs ist eine kurze Mixed-Passage, die ich heute technisch klettere. Dann wird das Gelände etwas flacher und die nächsten Seillängen sind relativ einfach.


Als ich mit Thomy und Florian hier war, kletterten wir direkt über die Pfeilerkante (V 6, 1000m). Wir waren 20 Stunden unterwegs und mussten trotzdem nur eine Seillänge unter dem Gipfelgrat umdrehen. Beim Abstieg stürzte Thomy und luxierte sich dabei noch den rechten Ringfinger und so endete unser Ausflug um drei Uhr früh im Krankenhaus in Innsbruck. Heute bin ich alleine unterwegs und versuche eine Linie in einem Gully etwas rechts der Kante (ungefähr IV 5, 1000m).


Nach rund 700 Klettermetern starte ich in den Gully, der am Gipfelgrat endet. Dünne Eisglasuren, vereister Schnee und kalter Fels wechseln sich ständig ab. Der Gully ist meist senkrecht, an ein paar Stellen sogar leicht überhängend und der Tiefblick macht das ganze extrem ausgesetzt. Eine Stelle in dieser engen Rinne klettere ich technisch, den Rest frei und nach nur fünf Stunden erreiche ich den Gipfelgrat, der sich als nicht besonders anspruchsvoll herausstellt. Eine viertel Stunde später stehe ich bereits am Gipfel und beginne mit dem Abstieg auf der Rückseite des Sagzahnpfeilers.


Die Fotos stammen sowohl vom Versuch mit Thomy und Florian am 26. November, wie auch von meiner Alleinbegehung am 2. Dezember. Die Routenübersicht ist von Reini Scherer.

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