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20.03.2013

Spindrift Laserz Nordwand

Es ist kurz nach sieben Uhr morgens. Ein frischer Wind pfeift über den Boden und wirbelt Schneekristalle auf, die im Kegel unserer Stirnlampen aussehen wie Funken von Glut am Lagerfeuer. Seit etwas mehr als einer Stunde sind Peter und ich jetzt unterwegs. Die letzten paar hundert Meter sind wir durch knietiefen Pulver in Richtung Einstieg der Laserz Nordwand gestapft. Jetzt holen wir unser Material aus den Rucksäcken und unsere Blicke schweifen über die 600m hohe Wand, die sich in der Dunkelheit vor uns aufgebaut hat und erst jetzt da es anfängt zu dämmern, langsam sichtbar wird.

Ein Jahr ist es her, dass wir hier waren. Ich kann mich noch gut daran erinnern. Fast verzweifelt bin ich an der Dachkante, der letzten wirklich schweren Stelle, gerade einmal 150 Meter über dem Boden. Ich habe mich weder vor noch zurück getraut. Fünf Minuten, zehn Minuten, ich weiß es nicht mehr wie lange ich dort gehangen habe. Es ist mir wie eine Ewigkeit vorgekommen. Meine Motivation versuchte mich zu ermutigte weiter zu klettern, doch meine Vernunft hielt mich zurück. Aber wie ich sehe hat sich die Wand verändert, die Verhältnisse schauen gut aus und ich glaube das Warten hat sich gelohnt!

Peter steigt die erste Seillänge vor. Ich klettere die Zweite als Erster. Das Warten hat sich wirklich ausgezahlt. Die dünnen Eisplatten, die mich zum Stand hoch führen sind nicht mehr so spröde und brechen aus, wie das Jahr zuvor. Ein, zwei Schläge mit dem Eisgerät reichen um es solide zu verankern. Doch es war nicht nur das spröde Eis, das uns letztes Jahr zum Umkehren zwang. Vielmehr war es die anspruchsvolle vierte Seillänge, welche entlang eines überhängenden Risses 40 Meter nach oben zieht. Wie so oft in den Dolomiten ist auch hier der Fels nicht immer 100%ig fest und darunter leidet auch die Qualität der von uns angebrachten Sicherungen. Vor einem Jahr hatten Peter und ich nur einen Satz Friends dabei – zu wenig wie sich herausstellte.

Ein zweites Mal wollte ich mich nicht wieder in eine so brenzlige Situation an der Dachkante bringen, deshalb haben wir jetzt ein zweites Rack dabei. Die Kletterei ist nicht einfacher geworden, aber durch die zusätzlichen Sicherungen fühle ich mich wesentlich wohler. Meter für Meter suche ich den Felsen nach Hooks für meine Eisgeräte ab und klettere vorsichtig den überhängenden Bogen entlang. An der Dachkante angekommen, wage ich mich dieses Mal behutsam auf die dünne Eisglasur links von mir. Sie hält und ich pickle mich die letzten Meter hinauf, bis ich einen geeigneten Standplatz finde. Nach zwei weiteren anspruchsvollen Längen erreichen wir endlich das Schneefeld in der Wandmitte.

Das Gelände über uns wird wieder leicher und die Seillängen, die vor uns liegen, hätten der reinste Genuss werden können, wäre uns nicht ununterbrochen Spindrift entgegen gekommen. Es ist schwer zu sagen was Spindrift so unangenehm macht: Ist es die Kälte die diese gefrorene Gischt mit sich bringt oder der Schmerz der unzähligen Eiskristalle wenn sie einem über das Gesicht kratzen?

Nach zehn Stunden erreichen wir dann endlich den Gipfel. Wir genießen kurz den Blick ins Tal und machen uns dann aber gleich an den langen Abstieg.

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