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21.12.2017

Eine unerwartete Wende

David Lama über die Besteigung der Ama Dablam und eine unerwartete Wende in seiner heurigen Expedition.

Du bist mit dem Ziel, zur Annapurna III zurückzukehren, nach Nepal gereist.

Ja. Ich war im Frühjahr 2016 mit Hansjörg Auer und Alex Blümel dort. Wir hatten damals an unserem Ziel, der ungekletterten Süd-Ost Kante, einen guten Versuch gemacht. Nach drei Tagen in der Wand mussten wir aber auf etwa zwei Drittel Wandhöhe umkehren. Das Wetter war nicht so gut wie vorhergesagt und wir kletterten jeden Nachmittag im Schneesturm. Die Route ist lang und schwierig, aber extrem reizvoll. Mit dem uns angeeigneten Wissen über den Berg wollten wir es heuer wieder probieren.

Gleiches Team, gleiche Strategie?

Ja, das gleiche Team, aber eine ganz andere Strategie.

Ein große Lektion von letztem Jahr war, dass wir den Berg nicht wieder im Frühjahr probieren wollten. Wir hofften auf besseres Wetter in der Nachmonsun-Zeit, also im Herbst. Wir wussten, dass weniger Feuchtigkeit in der Luft und kühlere Temperaturen zu weniger Schneefall führen sollten, was unsere Gipfelchancen verbessern würde.

Abgesehen von dieser großen Veränderung haben wir auch entschieden, uns nicht mehr in der Nähe der Annapurna III zu akklimatisieren. Das Basislager, von dem aus man die Südost-Kante der Annapurna III klettert, liegt auf 4600 Metern, aber leider gibt es nicht viele Möglichkeiten sich gut für einen Gipfelversuch zu akklimatisieren. Alle Linien, die vom Basislager aus in eine ausreichende Höhe führen, sind entweder extrem lang, technisch sehr schwierig oder einfach zu gefährlich. Wir entschieden uns deshalb in die Khumbu Region zu gehen und uns an der Ama Dablam zu akklimatisieren.

Und ging der Plan auf?

Die Ama Dablam ist ein wunderschöner Berg, ich hatte sie seit einer Weile auf meiner „Wunschliste”. Wir haben den Berg über die Südwest-Kante bestiegen, eine steile, aber technisch nicht allzu anspruchsvolle Route. Wir kamen gut voran und standen am 15. Oktober am Gipfel, wo wir auf etwas mehr als 6800 Meter übernachteten. Es war das perfekte Ende unserer Akklimatisationsphase.

Und dann hast du dich bereit gefühlt für die Annapurna III?

Eigentlich schon, aber nachdem wir am Gipfel waren, passierte etwas sehr Unerwartetes. Nach unserem Abstieg wurde klar, dass wir als Team nicht bereit waren, die Herausforderung der Annapurna III erneut anzugehen. Dieses Gefühl ging mehr von meinen Partnern aus und als von mir selbst. Ich musste ihre Entscheidung jedoch respektieren und es bedeutete das unausweichliche Ende unserer Expedition. 

Also war die Expedition vorbei bevor sie angefangen hatte?

Sozusagen. Nach den Ereignissen am Lunag Ri letztes Jahr, und vor allem nach meinem Versuch im Alleingang am selben Berg, fühlte ich mich eine Zeit lang sehr erschöpft und auch mental ausgelaugt. Die Expedition zur Ama Dablam und dann zur Annapurna III sollte heuer meine einzige Expedition sein, und ich habe alles darauf ausgerichtet, bei dieser Expedition in bestmöglicher Verfassung zu sein. Bevor wir nach Nepal geflogen sind, fühlte ich mich stärker als je zuvor und bereit, alles zu geben. Sich so lange auf ein Projekt zu freuen und dann heimfahren zu müssen ohne es probiert zu haben war hart, insbesondere weil ich wusste, dass wir viel besser akklimatisiert waren als letztes Jahr. 

Was hat dazu geführt, dass der Abbruch der Expedition unausweichlich wurde?

Bergsteigen regt generell zum Nachdenken an. Wenn es um ein so großes Projekt geht, wird es nochmal spezieller. Die Zeit in den Bergen kann dazu führen, dass man Dinge in Frage stellt, über die man vorher nicht nachdachte. Ein derartiger Umschwung war jedoch neu für mich, und ich muss zugeben, es hat weh getan.

Klingt nach einer schwierigen Zeit… was denkst du jetzt über die Annapurna III?

Beim Bergsteigen ist man oft von Dingen abhängig, die man nicht beeinflussen kann. Für Linien wir die Südost-Kante der Annapurna III braucht man Geduld und Entschlossenheit. Diese Expedition fühlt sich nicht wie das Ende dieses Projekts an. Ich bin noch nicht so weit, dass ich weiß wann und wie ich zurückkehren will, aber der Berg ist noch da und ich will auf jeden Fall wieder hin!

Was sind deine Pläne für diesen Winter?

Diese Expedition kann man natürlich nicht einfach so abhaken. Ich habe die Annapurna III nach wie vor im Kopf. Es wird Zeit brauchen, bis die Enttäuschung über diesen unerfüllten Expeditionswunsch verflogen ist. Auf der anderen Seite freue ich mich schon auf Ski fahren und Winterbergsteigen in den Alpen.

Annapurna III – Unclimbed

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